Die Insel Cres misst 66 Kilometer in der Länge und ist geprägt von steilen Karstklippen, dichten Wäldern und einer einzigen Hauptverkehrsader, der Landesstraße D100. Während der zentrale Hafen von Cres-Stadt und der markante Strand von Lubenice den Großteil des saisonalen Verkehrs auf sich ziehen, liegt der wahre Charakter der Insel in ihren abgelegenen nördlichen Wäldern und den einsamen südlichen Halbinseln. Um diese weniger bekannten Orte zu erreichen, muss man sich über schmale einspurige Straßen kämpfen und sich auf anspruchsvolle Wanderwege einlassen.
01Der Norden von Cres: Der Tramuntana-Wald
Der nördliche Teil der Insel, die Tramuntana genannt wird, bietet einen krassen geografischen Gegensatz zu den kargen, felsigen Landschaften des Südens. Diese submediterrane Region wird von tiefen Schluchten, uralten Eichen- und Kastanienwäldern sowie einem Netz aus Naturlehrpfaden geprägt. Wer die Wanderwege der Tramuntana zugunsten der Küstenpromenaden meidet, begeht einen großen Fehler: Die Waldwege im Norden bieten ein weit reizvolleres, weniger überlaufenes Erlebnis und zeigen den tatsächlichen ökologischen Wert der Insel.
Filozići: Ein verlassenes Dorf wird wiederbelebt
Das Dorf Filozići liegt etwa 15 Kilometer nördlich von Cres-Stadt und abseits der Hauptstraße D100. Um dorthin zu gelangen, muss man auf eine schmale, teilweise asphaltierte Zufahrtsstraße abbiegen. Vor Jahrzehnten hatte die Landflucht die Siedlung nahezu leer gefegt. Heute leben dort weniger als 20 Menschen dauerhaft, doch das Dorf hat sich zu einem ruhigen Zentrum für ökologische Kunst entwickelt.
Wer durch Filozići spaziert, sieht Steinhäuser, die mit zeitgenössischen Holzskulpturen und Steinplastiken lokaler Künstler gestaltet sind. Das Dorf verfügt über keine kommerzielle Infrastruktur; es gibt weder gewöhnliche Souvenirläden noch große Cafés. Stattdessen dient es als Ausgangspunkt für Wanderungen tief in die Wälder der Tramuntana. Das Gebiet ist mit hölzernen Wegweisern markiert, die die „Macmalići“ zeigen, mythologische Waldwesen aus der lokalen Volkssage. Wanderer sollten eigene Vorräte mitbringen, denn der nächste verlässliche Markt befindet sich in Beli, mehrere Kilometer entfernt.
Die Steinlabyrinthe der Tramuntana
In der Nähe des Dorfes Beli führte eine Umweltinitiative aus den frühen 2000er-Jahren zum Bau mehrerer Steinlabyrinthe, die im Wald verborgen liegen. Dabei handelt es sich nicht um Irrgärten, die verwirren sollen, sondern um einfache, einpfadige Rundwege aus örtlichem Kalkstein, die der ökologischen Beobachtung und der stillen Besinnung dienen.
Das bekannteste ist das Labyrinth Vesna, das die Geometrie des Labyrinths der Kathedrale von Chartres in Frankreich nachbildet. Zwei weitere, Ishtar und Tara, liegen in einem Umkreis von 1,5 Kilometern. Um sie zu erreichen, parkt man auf dem Hauptparkplatz in Beli (in der Hochsaison oft 3,00 € bis 5,00 €) und folgt den farblich markierten Naturlehrpfaden (insbesondere dem roten und dem blauen Pfad). Die Wege bestehen aus unebenen Steinen und festgetretener Erde. Wanderschuhe sind unbedingt erforderlich, denn das Gelände wird nach Sommerregenschauern extrem rutschig.
02Abgelegene Küstenabschnitte und versteckte Buchten
Während Valun und Martinšćica breite, gut zugängliche Kiesstrände bieten, bergen die West- und Ostküsten der Insel Buchten, die selbst im August menschenleer bleiben. Diese Orte verfügen über keinerlei Einrichtungen, weshalb Besucher sämtliches Wasser, Essen und sämtlichen Sonnenschutz selbst mitbringen müssen.
Der Strand Sveti Blaž
Sveti Blaž liegt an der Westküste der Insel. Er ist für seine reinweißen Kiesel bekannt, eine natürliche Süßwasserquelle direkt am Strand sowie die Ruinen einer alten Kapelle und einer Kohlenmine.
Zum Strand Sveti Blaž führt keine Straße. Besucher haben zwei Möglichkeiten: einen privaten Boot-Charter oder eine Wanderung. Ein Wassertaxi von Cres-Stadt kostet in der Regel zwischen 50,00 € und 80,00 € pro Strecke, je nach Anbieter und Treibstoffpreisen. Die Alternative ist eine anstrengende 10 Kilometer lange Wanderung, die am Wasserwerksgebäude am nördlichen Rand von Cres-Stadt beginnt. Der Weg führt durch Olivenhaine und fällt dann steil zur Küste ab. Die Wanderung dauert etwa 2,5 bis 3 Stunden pro Strecke. Da es beim Abstieg kaum Schatten gibt und der Höhenunterschied von 400 Metern steil ist, sollte diese Route nicht während der Mittagshitze begangen werden. Der Strand bietet keinerlei kommerzielle Einrichtungen; mindestens 3 Liter Wasser pro Person sind erforderlich.
Die Bucht Krušćica
Krušćica liegt an der Ostseite der Insel nahe der Halbinsel Merag und ist als besonderes Biodiversitätsreservat ausgewiesen. Die Bucht steht aufgrund ihres spezifischen Meeresökosystems und ihrer geologischen Formationen unter starkem Schutz.
Um Krušćica auf dem Landweg zu erreichen, fährt man in Richtung des Fährhafens Merag (Fährtickets für ein Standardfahrzeug kosten 18,40 €), biegt auf einen rauen Feldweg ab und parkt auf einer unmarkierten Lichtung. Von der Lichtung führt ein felsiger, 20-minütiger Fußabstieg zum Wasser. Die Bucht ist von großen Felsbrocken und grobem Kies geprägt. Da sie zum Velebit-Kanal hin offen liegt, ist das Wasser hier oft einige Grad kälter als auf der Westseite der Insel, und das Gebiet ist der Bora ausgesetzt. Die Bucht eignet sich hervorragend zum Schnorcheln, mit guter Sicht und zahlreichen Fischen direkt vor der Küste.
03Der Süden von Cres: Wilde Landschaften
Wenn die D100 nach Süden zur Brücke führt, die Cres mit der Nachbarinsel Lošinj verbindet, lichtet sich die Vegetation, und das Gelände wird rauer. Diese Gegend wird von scharfkantigem Kalkstein und widerstandsfähigen Macchia-Sträuchern bestimmt.
Vidovići: Abgeschiedenheit in großer Höhe
Das Dorf Vidovići liegt auf 280 Metern über dem Meeresspiegel und bietet einen freien Blick über die Adria auf die istrische Halbinsel und die kleine, unbewohnte Insel Zeča.
Um nach Vidovići zu gelangen, müssen Autofahrer von der Hauptstraße in Richtung Martinšćica abbiegen und dann eine steile, kurvenreiche Nebenstraße mit einer Steigung von bis zu 12 % befahren. Das Dorf ist eine dichte Ansammlung traditioneller Steinbauten, von denen viele verlassen sind, einige jedoch langsam als netzunabhängige Sommerwohnsitze restauriert werden. Fahrzeuge müssen am Ortseingang abgestellt werden, da die Wege im Dorf zu schmal für Autos sind. Hier gibt es weder Restaurants noch Geschäfte. Der Hauptgrund für einen Besuch sind die Kammwanderwege, die nach Norden zum Helm führen, dem höchsten Gipfel in diesem Abschnitt. Wanderer begegnen häufig frei laufenden Schafen; Besucher müssen darauf achten, dass alle Holztore entlang der Wege hinter ihnen geschlossen werden, damit sich die Herden nicht verstreuen.
Wanderwege und Tierwelt auf Punta Križa
Die südlichste Spitze von Cres ist die Halbinsel Punta Križa. Dieses Gebiet unterscheidet sich vom typischen hochgelegenen Karst der Insel und präsentiert eine niedrig gelegene, dicht bewaldete Landschaft, die von schmalen Buchten tief eingeschnitten ist.
Die Fahrt von Cres-Stadt nach Punta Križa beträgt etwa 35 Kilometer und dauert fast eine Stunde. Die letzten 15 Kilometer führen über eine extrem schmale Straße, auf der zwei entgegenkommende Autos oft bis zum Schritttempo abbremsen müssen, um nicht an den trockenen Steinmauern anzuschrammen.
Punta Križa ist berühmt für seine Population an Damhirschen. Wer die Feldwege früh am Morgen oder spät am Abend entlanggeht, sieht mit großer Sicherheit diese Tiere, die durch die Kiefernwälder ziehen. Während der Campingplatz Baldarin eine der größeren Buchten am Ende der Straße einnimmt, bleibt der Großteil der Buchten auf der Halbinsel völlig unerschlossen. Die Küstenwege hier sind flach und eignen sich gut zum Mountainbiken, ein deutlicher Kontrast zu den senkrechten Abbrüchen im Norden.
04Unterwegs auf dem abgelegenen Cres
Wer die verborgenen Gebiete von Cres erkunden möchte, braucht eine gute logistische Vorbereitung. Die Insel tickt in einem weit langsameren Rhythmus als das Festland, und abseits der Touristenpfade verstärkt sich diese Abgeschiedenheit noch.
Fahren und Fortbewegung
Die D100 ist die einzige Schnellstraße der Insel. Nebenstraßen zu Dörfern wie Filozići, Vidovići oder Ustrine sind einspurig, haben keine Leitplanken und werden häufig von Schafen der Einheimischen überquert. Die übliche Geschwindigkeit auf diesen Nebenstraßen liegt selten über 40 km/h.
Ein Motorroller ist für Alleinreisende oder Paare eine praktische Alternative, da er das Parken und das Befahren schmaler Wege erleichtert. Roller-Verleihe in Cres-Stadt oder Martinšćica kosten im Durchschnitt zwischen 35,00 € und 50,00 € pro Tag. Für die unbefestigten Feldwege, die etwa nach Krušćica führen, sind Roller jedoch nicht empfehlenswert, da tiefe Spurrillen und loser Kies für kleine Reifen eine Gefahr darstellen.
Regionale Produkte einkaufen
Wer authentische Produkte aus der Region sucht, sollte die touristisch geprägten Stände im Hafen meiden. Stattdessen lassen sich hochwertige Waren direkt bei den Erzeugern in den ländlichen Dörfern kaufen.
Nativesnbsp;Olivenöl extra vergine aus der Region wird in kleineren Siedlungen direkt vor den Haustüren verkauft und kostet in der Regel zwischen 15,00 € und 20,00 € pro Liter. Die Insel ist außerdem für ihren Schafkäse (Creski sir) bekannt, der aufgrund der Gischt, die die Weideflächen überzieht, sehr salzig schmeckt. Ganze Laibe oder Stücke sind auf Familienhöfen in den Dörfern Orlec oder Loznati erhältlich, zu Preisen zwischen 25,00 € und 30,00 € pro Kilogramm. Der direkte Einkauf bei diesen ländlichen Höfen garantiert frische Ware und unterstützt zugleich die landwirtschaftliche Wirtschaft der Insel unmittelbar.

