Lopud misst gerade einmal 4,63 Quadratkilometer, doch der weitaus größte Teil seiner Besucher konzentriert sich ausschließlich auf die 1,5 Kilometer lange Strecke zwischen dem Haupthafen und den sandigen Buchten im Süden. So bleiben das Inselinnere, die hohen Bergrücken und die Nordküste völlig leer, selbst in den Hochsommermonaten Juli und August. Wer bereit ist, steile Anstiege zu bewältigen und sich über felsiges Gelände zu bewegen, entdeckt auf Lopud eine dichte Ansammlung mittelalterlicher Ruinen, vergessener Feldwege und einsamer Badestellen, die sich weit vom üblichen Touristenrummel anfühlen.

Die meisten Tagesausflügler zahlen gleich zu Beginn €3 für den elektrischen Golfwagen-Shuttle an die Südküste. Doch in der Mittagshitze in dieser chaotischen Schlange anzustehen, ist ein Fehler, denn die schattigen, historischen Wanderwege führen fast genauso schnell quer über die Insel. Die weniger bekannten Ecken von Lopud erfordern körperlichen Einsatz, grundlegendes Orientierungsvermögen und festes Schuhwerk, doch sie offenbaren eine ganz andere Seite der Insel, geprägt von stillen Pinienwäldern und historischer Abgeschiedenheit.

01Die Wanderwege im Inselinneren

Das Innere von Lopud wird von einem zentralen Höhenzug geprägt, der sich am Gipfel Polačica auf maximal 216 Meter erhebt. Während die breite Betonstraße den tiefsten Punkt der Insel direkt durchquert, verläuft über die höheren Lagen ein Netz älterer Stein- und Erdpfade. Diese Wege nutzten die Einheimischen einst, um zu ihren Olivenhainen und Weinbergen zu gelangen, von denen heute viele von dichter Macchia und Aleppo-Kiefernwäldern zurückerobert wurden.

Der Weg zur Festung Sutmiho

Sutmiho (die Festung des Hl. Michael) liegt nahe dem höchsten Punkt der Insel und zählt zu den bekanntesten, zugleich aber am wenigsten besuchten historischen Stätten auf Lopud. Um die Ruinen zu erreichen, umgehen Wanderer die zentrale Promenade und gehen landeinwärts durch die schmalen Wohngassen hinter der Grundschule. Der Beton weicht bald einem Erdweg, der stellenweise von verblassten rot-weißen Wandermarkierungen gekennzeichnet ist.

Der Aufstieg dauert etwa 45 bis 60 Minuten. Der Weg ist mit losen Steinen, freiliegenden Baumwurzeln und steilen Serpentinen gespickt. Auf dem Gipfel bieten die Überreste der Festung aus dem 16. Jahrhundert einen klaren Rundumblick über den Elaphiten-Archipel, einschließlich der Nachbarinseln Šipan und Koločep sowie der Halbinsel Pelješac im Norden. Es fallen weder Eintritt noch Sicherheitszäune an, und es gibt kein Personal vor Ort. Besucher sollten in der Nähe der bröckelnden Steinmauern besonders vorsichtig sein, da die Brüstungen nicht instand gehalten werden.

Die vergessenen Kapellen

Zu ihrer wirtschaftlichen Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert zählte Lopud über 1.000 Einwohner und beherbergte rund 30 Kirchen und Kapellen. Heute existieren viele dieser kleinen Sakralbauten als überwucherte Ruinen, die verstreut in den Wäldern des Inneren liegen. Sie zu finden erfordert, die Hauptwege zu verlassen und sich auf GPS oder Offline-Topografiekarten zu verlassen.

Die Ruinen der Johanneskirche (Sv. Ivan) und der Elias-Kirche (Sv. Ilija) liegen im dichten Gestrüpp am östlichen Hang der Insel. Diese einschiffigen Steinbauten sind ohne Dach, und ihr Inneres ist oft mit wilden Feigenbäumen und Brombeerranken bewachsen. Hinweisschilder zu diesen Kapellen gibt es nicht. Ein Besuch dieses Gebiets bietet einen stillen Einblick in den historischen Niedergang der Insel, lange bevor sie zu einem modernen Ferienziel wurde.

02Die zerklüftete Nordküste

Während das südliche Ende von Lopud mit seinem flachen, sandigen Meeresboden Menschenmassen anzieht, bieten die Nord- und Nordwestküste steil abfallende Kalksteinklippen, tiefes Wasser und felsige Vorsprünge. Diese Abschnitte sind völlig unbebaut und bieten abgelegenen Zugang zur Adria.

Benešin Rt (Benešin Rt)

Benešin Rt liegt an der nordwestlichen Spitze der Insel und ist über einen Küstenweg erreichbar, der am Hafen vorbei vom Ortszentrum wegführt. Nachdem der gepflasterte Weg endet, führt ein holpriger Erdweg noch weitere 800 Meter am Ufer entlang. Das Gelände besteht aus scharfkantigem Kalkstein-Karst, weshalb man festes Schuhwerk mit harter Sohle tragen sollte, um sicher voranzukommen.

Das Wasser bei Benešin Rt fällt steil ab und bietet ideale Bedingungen zum Schnorcheln. Die Sichtweite beträgt häufig über 20 Meter, sodass man Schwärme von Brassen, Oktopusse und kunstvolle Felsformationen unter Wasser sieht. Aufgrund der felsigen Umgebung leben hier viele Seeigel. Spezielle Wasserschuhe sind unbedingt erforderlich, um Verletzungen zu vermeiden. Kommerzielle Angebote gibt es hier nicht: keine Liegenvermietung, keine Strandbars und keine schattigen Pavillons. Besucher sollten ihre gesamte Ausrüstung mitbringen, einschließlich eines Sonnenschutzmittels mit hohem Lichtschutzfaktor, da natürlicher Schatten nur sehr begrenzt vorhanden ist.

Die äußere Küste mit dem Kajak erkunden

Am effektivsten lassen sich die unzugänglichen äußeren Klippen von Lopud vom Wasser aus erkunden. Mehrere lokale Anbieter in der Nähe des Fähranlegers verleihen Kajaks und Stand-up-Paddleboards. Ein einfacher Einer-Kajak kostet etwa €15 pro Stunde oder €40 für einen ganzen Tag.

Mit dem Kajak lässt sich an Benešin Rt vorbeipaddeln und die exponierte Nordseite der Insel umrunden. Dieser Abschnitt besteht aus kleinen, namenlosen Buchten und tiefen Einschnitten in der Felswand, die man zu Fuß nicht erreichen kann. Paddler sollten die lokalen Wetterverhältnisse im Blick behalten. Der Maestral, ein vorherrschender Nordwestwind im Sommer, setzt meist gegen 14:00 Uhr ein und kann an der offenen Außenküste für kabbeliges Wasser und starke Strömungen sorgen. Wer vor 9:00 Uhr aufbricht, findet ruhigeres Wasser und einfachere Orientierung vor.

03Die oberen Terrassen des Đorđić-Mayneri-Parks

Der Đorđić-Mayneri-Park liegt direkt hinter dem Hauptort und ist auf Lopud durchaus bekannt. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einem venezianischen Adligen angelegt. Fast der gesamte Besucherverkehr bleibt jedoch auf den breiten, flachen Kieswegen am Parkeingang. Die wahren verborgenen Seiten dieses botanischen Gartens liegen auf den oberen Terrassen.

Wer den schmalen, ungepflegten Steintreppen nach oben folgt, stößt auf eine Reihe vergessener landwirtschaftlicher und botanischer Terrassen. Diese oberen Bereiche beherbergen riesige, verwilderte Bambushaine, uralte Johannisbrotbäume und zerfallende Steinbänke, die vor über hundert Jahren aus Italien hierher gebracht wurden. Die Pflege ist in diesem Abschnitt minimal, sodass sich die heimische mediterrane Pflanzenwelt mit den importierten historischen Exemplaren vermischt. Die erhöhte Lage bietet zudem freie Sicht über den Hafen, ohne den Lärm der Ufercafés darunter.

04Praktische Hinweise für die Erkundung abseits der Touristenpfade

Wer die verborgenen Seiten von Lopud erkunden möchte, sollte sich gut vorbereiten, denn im Inselinneren und an der Nordküste gibt es keinerlei moderne Einrichtungen.

Proviant und Flüssigkeit

Im gesamten Inselinneren gibt es weder Trinkbrunnen, Cafés noch öffentliche Toiletten. Sommertemperaturen übersteigen regelmäßig 32 °C (90 °F). Bevor man den Hauptort verlässt, sollte man alle nötigen Vorräte einkaufen. Der örtliche Supermarkt Studenac, etwa 100 Meter vom Fähranleger entfernt, verkauft 1,5-Liter-Flaschen Wasser für €1,50 sowie frisches Brot, lokalen Käse und Trockenfleisch. Für eine Wanderung zur Festung Sutmiho sind in den Sommermonaten mindestens zwei Liter Wasser pro Person erforderlich.

Schuhwerk und Sicherheit

Flip-Flops und leichte Sandalen sind für die versteckten Wege von Lopud völlig ungeeignet. Die losen Kalksteine, steilen Hänge und dornige Vegetation erfordern Wanderstiefel oder robuste Trailrunning-Schuhe. Außerdem sollten Wanderer sich vor der Hornotter (Poskok) in Acht nehmen, einer giftigen Schlangenart, die in der Region heimisch ist. Bisse sind zwar selten, doch Schlangen sonnen sich häufig auf warmen Steinmauern und offenen Felsflächen. Wer auf sichtbaren Wegen bleibt und nicht in unübersichtliche Felsspalten greift, schließt nahezu jedes Risiko aus.

Mobilfunk und Internet

Der Mobilfunkempfang auf Lopud ist im Allgemeinen zuverlässig, dank großer kroatischer Netzbetreiber wie Hrvatski Telekom (HT) und A1. 4G- und 5G-Signale erreichen den Hauptort und die erhöhten Bergrücken. Allerdings bricht das Signal häufig ab, sobald man in die dichten Waldschluchten hinabsteigt oder nahe den steilen Nordklippen mit dem Kajak unterwegs ist. Wer vor der Anreise Offline-Karten über Google Maps oder spezielle Wander-Apps wie Komoot oder AllTrails herunterlädt, kann sich unabhängig vom Mobilfunknetz durchgehend orientieren.