01Das Urteil: Lohnt sich ein Besuch des Paklenica-Nationalparks?

Der Paklenica-Nationalpark verlangt körperliche Anstrengung und eine gute Vorbereitung. Wer wandert oder klettert, wird reich belohnt. Für einen gemütlichen Spaziergang im Park ist er dagegen völlig ungeeignet. Charakteristisch sind die massiven, senkrechten Kalksteinwände, tiefe Schluchten und felsige Wanderwege, die kaum Schatten bieten.

Das Fazit ist eindeutig: Der Paklenica-Nationalpark ist nicht die richtige Wahl für Reisende, die entspannte Holzstege und kaskadenartige Seen wie an den Plitvicer Seen oder im Krka-Nationalpark erwarten. Er ist eine raue, senkrechte Landschaft, die für anspruchsvolle Outdoor-Aktivitäten gemacht ist. Wer einen entspannten Strandspaziergang mit einer sanften Schluchtkulisse erwartet, wird enttäuscht sein und sich zudem körperlich erschöpft fühlen. Wer dagegen über passende Wanderschuhe, genug Wasser und Interesse an der rohen Geologie der Berge verfügt, findet hier ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und deutlich weniger Andrang als in den wassergeprägten Nationalparks Kroatiens.

Das Velebit-Gebirge bestimmt die Topografie der Region. Von der Küstenstadt Starigrad, die auf Meereshöhe liegt, gelangt man direkt in eine steile Karstlandschaft. Die Umgebung verlangt Respekt. Die Sommertemperaturen in der Schlucht überschreiten regelmäßig 35°C (95°F), und die Hauptwege bestehen aus losem Schotter und unebenem Fels. Wenn diese Bedingungen zu Ihren Reisevorlieben passen, bietet Paklenica erstklassiges Klettern und ausgedehnte Wanderungen abseits der Pfade auf europäischem Niveau.

02Kosten im Überblick: Eintrittspreise, Touren und Ausgaben vor Ort

Die Preise in Paklenica sind deutlich niedriger als an den Plitvicer Seen oder im Krka-Nationalpark. Das liegt daran, dass der Park eher auf Aktivitäten als auf Massentourismus und Sightseeing ausgerichtet ist. In Kroatien wird seit Januar 2023 in Euro (€) bezahlt.

Eintrittspreise und Genehmigungen

Stand 2026 kostet der Tageseintritt für Erwachsene in der Hochsaison (Juni bis September) €10.00. In der Nebensaison (Oktober bis Mai) sinkt der Preis auf €6.00 pro Tag. Kinder, Studierende und Mitglieder von Bergsteigerverbänden erhalten Ermäßigungen, die den Preis je nach Saison meist auf €3.00 bis €5.00 senken. Mehrtagestickets gibt es für Kletterer und Wanderer, die länger bleiben; ein Dreitagesticket kostet im Sommer etwa €20.00.

Der Parkplatz am Eingang 1 (Velika Paklenica) ist im Ticketpreis enthalten, die Plätze sind im Juli und August jedoch schon um 8:30 Uhr oft belegt. Wer später kommt, muss weiter unten an der Zufahrtsstraße parken und bis zu 2 Kilometer zum Haupttor laufen.

Kosten für die Höhlentour in Manita Peć

Die einzige öffentlich zugängliche Höhle des Parks ist Manita Peć. Der Zutritt erfolgt ausschließlich im Rahmen einer geführten Tour und kostet zusätzlich €5.00. Bezahlt wird nur bar am Höhleneingang. An diesem hochgelegenen Ort werden keine Kreditkarten akzeptiert, deshalb sollten Besucher kleine Euro-Scheine mit auf die Wanderung nehmen.

Unterkunft und Verpflegung in Starigrad

Starigrad Paklenica ist der Ausgangspunkt für den Park. Die Unterkünfte sind im Vergleich zu den Badeorten an der Küste günstig.

Camping
Stellplätze auf dem Camping Paklenica oder auf kleineren privaten Campingplätzen kosten zwischen €30.00 und €60.00 pro Nacht für ein Zelt mit zwei Personen oder ein Wohnmobil.
Hotels und Apartments
Einfache Ferienwohnungen kosten im Sommer €60.00 bis €90.00 pro Nacht. Mittelklassehotels wie das Hotel Vicko verlangen zwischen €100.00 und €150.00 pro Nacht, oft inklusive Frühstück.
Essen
Ein Abendessen in lokalen Restaurants wie dem Bistro Ankora oder dem Restaurant Marin kostet zwischen €15.00 und €25.00 pro Person. Ein lokales Bier (0,5 Liter) gibt es für etwa €3.00 bis €4.00. Proviant für die Wanderung in den örtlichen Supermärkten zu kaufen ist sehr günstig: Wasser, Brot und Trockenwurst für einen ganzen Tag kosten weniger als €10.00.

03Was Paklenica besonders macht

Der Park überzeugt mit ursprünglichen, authentischen Bergerlebnissen. Die fehlende kommerzielle Infrastruktur innerhalb der Parkgrenzen bewahrt die Natur.

Klettern auf Weltklasse-Niveau

Paklenica zählt zu den besten Kletterrevieren Europas und bietet über 500 eingerichtete Routen. Das Herzstück ist der Anića Kuk, ein 712 Meter hoher Gipfel mit einer 350 Meter hohen senkrechten Kalksteinwand. Der Fels ist stark strukturiert und bietet hervorragenden Halt. Die Routen reichen von einfachen Sportkletterrouten für Anfänger (UIAA-Grad 4) bis zu schweren Mehrseillängen-Traditionsrouten (UIAA-Grad 8+). Die Kletterbereiche sind sehr gut erreichbar, die ersten Routen beginnen nur fünf Minuten vom Hauptparkplatz entfernt.

Der Wanderweg durch Velika Paklenica

Die wichtigste Wanderachse ist die Schlucht Velika Paklenica (Große Paklenica). Der Weg beginnt als breite Schotterpiste, flankiert von 400 Meter hohen Felswänden. Nach dem ersten Anstieg von etwa 45 Minuten öffnet sich die Schlucht zum Hochplateau Anića Luka mit weiten Ausblicken auf die umliegenden Gipfel. Der Weg führt weiter zu Berghütten, darunter die Paklenica-Berghütte, die etwa zwei Wanderstunden vom Eingang entfernt liegt. Der Weg ist gut markiert und steigt auf den ersten Kilometern gleichmäßig, aber gut machbar an.

Authentische Bergkultur

Die Atmosphäre im Park und in Starigrad wird von der Kletter- und Wandergemeinschaft geprägt. Restaurants und Cafés füllen sich mit Menschen, die Seile und Magnesiasäckchen bei sich tragen. Niemand muss sich zum Abendessen fein machen, der Fokus liegt stark auf sportlichen Erlebnissen im Freien. So entsteht eine entspannte, funktionale Urlaubsatmosphäre mit frühen Morgen und aktiven Tagen statt Nachtleben.

04Die Nachteile, der Andrang und Warnhinweise

Der Paklenica-Nationalpark stellt Besucher vor erhebliche Herausforderungen bei Umwelt und Logistik. Wer sich nicht darauf vorbereitet, wird einen unangenehmen Besuch erleben.

Brutale Sommerhitze und fehlender Schatten

Der größte Nachteil eines Besuchs in Paklenica zwischen Juni und August ist die Hitze. Die unteren Abschnitte der Schlucht Velika Paklenica stauen die heiße Luft, und der weiße Kalkstein wirft das Sonnenlicht direkt auf den Weg. Mittags werden oft mehr als 35°C (95°F) erreicht. Schatten gibt es kaum, bis Wanderer die bewaldeten Bereiche weiter oben am Berg erreichen. Dehydrierung und Hitzeerschöpfung sind bei unvorbereiteten Touristen häufig. Besucher sollten pro Person mindestens 2 bis 3 Liter Wasser mitnehmen. Es gibt nur wenige Trinkwasserstellen, die wichtigste ist eine Quelle, die 20 Minuten hinter dem Hochplateau Anića Luka liegt.

Gedränge in der Hauptschlucht

Obwohl Paklenica insgesamt deutlich weniger Besucher pro Jahr hat als die Plitvicer Seen, bündelt die Geografie alle in einem einzigen, schmalen Korridor. Die ersten zwei Kilometer des Wanderwegs Velika Paklenica können in den Sommermonaten stark überlaufen sein. Kletterer, die direkt neben dem Hauptweg sichern, große Wandergruppen und Spaziergänger teilen sich denselben steinigen Pfad. Um den Stau zu vermeiden, sollten Besucher den Park genau dann betreten, wenn die Tore um 6:00 Uhr öffnen.

Schwieriges Gelände

Die Wege sind für die Füße anstrengend. Die Pfade bestehen aus losem Geröll, glattpoliertem Kalkstein und unebenen Stufen. Ungeeignetes Schuhwerk wie Sandalen oder Straßenturnschuhe ist völlig unzureichend und birgt ein ernstes Risiko für Umknicken. Besonders die Steigung der Nebenwege, vor allem der Aufstieg nach Manita Peć, überrascht viele Besucher.

05Flora, Fauna und Umwelt

Der Übergang von der Adriaküste zu den hohen Gipfeln des Velebit schafft ein eigenes Mikroklima. In den unteren Parkbereichen wächst spärliche mediterrane Vegetation, vor allem Buschwerk und zähe Gräser, die die intensive Sommersonne überstehen. Mit zunehmender Höhe verwandelt sich die Landschaft in dichte Wälder aus Schwarzkiefern und Buchen. Diese oberen Wälder spenden Wanderern, die oberhalb des Hochplateaus Anića Luka aufsteigen, wichtigen Schatten.

Die Tierwelt ist vielfältig, wobei große Säugetiere die überlaufene Schlucht Velika Paklenica meiden. Im Park leben Braunbären, Wölfe und Luchse, doch diese Raubtiere halten sich in den abgelegenen, streng geschützten Zonen des Velebit-Gebirges auf. Wanderer sehen eher Gämsen, die über die steilen Felswände klettern, oder Wanderfalken, die über dem Anića Kuk in den Aufwinden kreisen. Im Park leben außerdem verschiedene Reptilien, darunter die Hornotter (Poskok), die giftig ist. Wanderer sollten auf markierten Wegen bleiben und nicht blind in Felsspalten greifen.

06Die wichtigsten Attraktionen und Wanderdetails

Der Park umfasst 95 Quadratkilometer, doch die meisten Tagesausflügler konzentrieren sich auf drei bestimmte Bereiche.

Höhle Manita Peć

Die Höhle liegt auf 570 Metern Höhe an der Nordwand der Schlucht und ist das einzige unterirdische Erlebnis des Parks. Der Weg dorthin führt über einen steilen, 20-minütigen Treppenaufstieg, der vom Hauptweg Velika Paklenica abzweigt. Vom Parkplatz aus dauert die gesamte Wanderung etwa 1,5 Stunden.

Im Inneren der Höhle herrscht das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von 9°C (48°F), weshalb auch im August eine Windjacke oder eine leichte Jacke nötig ist. Die geführte Tour dauert 30 Minuten und zeigt verschiedene Stalaktiten, Stalagmiten und kaskadenartige Sinterterrassen. Die Höhle ist nur von 10:00 bis 13:00 Uhr geöffnet. Im Juli, August und September ist sie täglich geöffnet. Im Mai, Juni und Oktober hat sie nur montags, mittwochs und samstags auf. Im April öffnet sie ausschließlich samstags. Wer die strikte Schließung um 13:00 Uhr verpasst, hat den Aufstieg umsonst gemacht.

Mala Paklenica (Kleine Paklenica)

Für Wanderer, die völlige Abgeschiedenheit suchen, bietet Mala Paklenica eine wildere Alternative. Die Schlucht liegt einige Kilometer östlich des Haupteingangs und hat im unteren Abschnitt keine markierten Wege. Wanderer müssen über Felsbrocken klettern und das trockene Flussbett durchqueren. Die Strecke ist anspruchsvoll und anstrengend und sollte nur von erfahrenen Wanderern mit guten Orientierungsfähigkeiten begangen werden. In dieser Schlucht gibt es kein Wasser. Die Rundwanderung, die Mala mit Velika Paklenica verbindet, dauert zwischen 7 und 9 Stunden.

Die Berghütten

Tief im Park liegen mehrere Berghütten, darunter die Paklenica-Berghütte und das Forsthaus Lugarnica. Das Forsthaus Lugarnica serviert einfache Speisen wie Würstchen und heißen Tee. Es ist in der Nebensaison meist nur an Wochenenden und im Sommer täglich geöffnet. Diese Hütten sind ein greifbares Ziel für eine Tageswanderung und ermöglichen den Zugang zu den dichteren, kühleren Buchenwäldern im höheren Velebit.

07Packliste für Paklenica

Angesichts der extremen Bedingungen ist die richtige Ausrüstung unverzichtbar.

Schuhwerk
Wanderstiefel mit steifer Sohle und hohem Knöchelschutz sind für das lose Geröll und den scharfen Kalkstein Pflicht. Zustiegsschuhe sind für Kletterer geeignet, die sich am Fuß der Wände halten.
Flüssigkeit
Ein 3-Liter-Trinksystem pro Person ist das Minimum für einen vollen Sommertag. Wasserquellen sind äußerst knapp.
Sonnenschutz
Breitkrempige Hüte, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und langärmlige Shirts mit UPF-Schutz werden dringend empfohlen, um schwere Sonnenbrände in den unbeschatteten unteren Schluchten zu vermeiden.
Bargeld
Am Haupteingang kann man zwar mit Karte zahlen, doch die Höhle Manita Peć (€5.00) und die Berghütten nehmen nur Bargeld. Besucher sollten kleine Euro-Scheine dabeihaben.
Erste Hilfe
Ein einfaches Set mit Blasenpflaster, elastischer Binde für Verstauchungen und einer Pinzette ist wegen des rauen Geländes und dornigen Gestrüpps unverzichtbar.

08Anreise und Mobilität vor Ort

Paklenica ist von der dalmatinischen Küste aus sehr gut erreichbar und eignet sich als Tagesausflug oder als Hauptziel der Reise.

Anfahrt mit dem Auto und Parken

Der Parkeingang liegt direkt außerhalb von Starigrad, etwa 45 Kilometer nordöstlich von Zadar. Die Fahrt von Zadar dauert etwa 45 Minuten über die Autobahn A1 oder die Küstenstraße D8. Die Küstenstraße ist mautfrei, aber wegen der niedrigeren Geschwindigkeitsbegrenzungen etwas langsamer. Nach der Einfahrt in Starigrad weisen große Schilder den Weg zum Park. Die Straße vom Ticketschalter zum Hauptparkplatz ist eng. In der Hochsaison schließen die Parkwächter den oberen Parkplatz schon früh am Morgen, sobald er voll ist, sodass späte Ankömmlinge bis zu zwei Kilometer weit parken müssen.

Öffentliche Verkehrsmittel

Wer kein eigenes Fahrzeug hat, kann mehrmals täglich mit Regionalbussen vom Hauptbusbahnhof Zadars nach Starigrad Paklenica fahren. Das Busticket kostet einfach zwischen €6.00 und €8.00, die Fahrt dauert etwa eine Stunde. Von der Bushaltestelle in Starigrad sind es 10 Minuten zu Fuß bis zum Parktor und weitere 20 Minuten auf der asphaltierten Zufahrtsstraße bis zum Beginn der eigentlichen Wanderwege.

Die beste Reisezeit

Die optimalen Monate für einen Besuch in Paklenica sind Mai, Juni, September und Oktober. In diesen Zwischensaisons liegen die Tageshöchstwerte zwischen 20°C und 25°C (68°F - 77°F). Das bietet ideale Bedingungen für anstrengende körperliche Aktivitäten. Die Felswände bleiben trocken, und es ist kaum etwas los. Im Juli und August ist bei der Hitze besondere Vorsicht geboten, und Wanderungen sollten um 6:00 Uhr beginnen. Winterbesuche sind möglich, doch viele Einrichtungen, darunter die Höhle Manita Peć und die Berghütten, sind geschlossen oder haben stark eingeschränkte Öffnungszeiten.

09Unterkunft und Gastronomie in Starigrad

Starigrad Paklenica ist ein funktionaler, langgezogener Ort entlang der Adriaküste. Ein historisches Altstadtzentrum wie in Zadar oder Split gibt es hier nicht, der Ort dient eher als praktischer Stützpunkt.

Übernachtungsmöglichkeiten

Der Ort bietet eine große Auswahl an privaten Apartments und Mobilheimparks. Der Camping Paklenica ist eine große Anlage, 800 Meter vom Ortszentrum entfernt, mit einem Lebensmittelgeschäft, einer Taverne und Zugang zu einem Kieselstrand. Wer lieber in einem Hotel übernachtet, findet im Hotel Vicko eine zuverlässige Mittelklasse, die für ihr Restaurant und die Nähe zum Parkeingang geschätzt wird.

Gastronomie

Die Küche in Starigrad setzt stark auf herzhafte mediterrane und balkanische Gerichte, die Wanderer wieder zu Kräften kommen lassen. Das Bistro Ankora serviert kräftige Portionen lokaler Meerbrasse, Pasta und Grillfleisch. Das Restaurant Degenija und das Restaurant Marin sind ebenfalls beliebte Adressen mit typisch kroatischen Gerichten wie Ćevapčići, gegrilltem Tintenfisch und Pizza. Die Preise liegen hier meist unter denen in großen Touristenzentren, was Starigrad zu einem günstigen Ausgangspunkt für einen aktiven Urlaub macht.