01Direkte Alternativen zu Rovinj: Wohin stattdessen?
Reisende, die dem dichten Gedränge in Rovinj entgehen möchten, haben im Umkreis von 15 bis 50 Kilometern mehrere sehr gute Möglichkeiten. Die Westküste und das zentrale Inland der istrischen Halbinsel bieten Orte, die die historische Architektur, die venezianischen Glockentürme und den kulinarischen Anspruch bewahren, für die auch Rovinj bekannt ist, allerdings in einem deutlich gemächlicheren Tempo.
Bale: Die Steinstadt im Landesinneren
Nur 14 Kilometer südöstlich von Rovinj liegt Bale (auf Italienisch Valle), eine mittelalterliche Steinstadt auf einem Hügel. Mit dem Auto braucht man etwa 15 bis 20 Minuten von Rovinj nach Bale über die Straßen D21 und D303. Bale hat keine unmittelbare Hafenpromenade wie Rovinj, bietet dafür aber ein unberührtes historisches Zentrum und exzellente kleine Boutiquehotels.
Die Architektur in Bale ist stark von der venezianischen Herrschaft geprägt. Das Bild bestimmt der Soardo-Bembo-Palast, ein gotisch-renaissancezeitliches Bauwerk im Ortszentrum. Die Gassen sind mit weißem istrischem Stein gepflastert und komplett autofrei. Anders als in Rovinj, wo die engen Straßen schon um 11:00 Uhr von Tagesausflüglern verstopft sind, bleibt es in Bale auch in den Sommermonaten ruhig.
Die Unterkünfte sind hier eher klein und im Stil historischer Häuser gehalten. Das Hotel La Grisa ist die bekannteste Unterkunft. Es verfügt über 22 Zimmer, die in die alten Steinbauten der Altstadt integriert sind. Die Zimmerpreise im Hotel La Grisa liegen in der Nebensaison zwischen €105 und €130 pro Nacht und steigen im Juli und August etwas an. Zum Haus gehören außerdem ein Hallenbad und ein sehr gut bewertetes Restaurant, das traditionelle istrische Pasta und lokales Olivenöl serviert.
Für den Badebetrieb erreicht man von Bale aus in 10 Minuten das Campingplatzgelände Mon Perin, das mehrere Kilometer Kiesstrand umfasst. Das Parken in Bale ist unkompliziert, denn kostenlose öffentliche Parkplätze liegen direkt außerhalb der historischen Zone. Das ist ein deutlicher Unterschied zu den €3 bis €4 pro Stunde, die auf den kommerziellen Parkplätzen in Rovinj fällig werden.
Vrsar: Ein Fischerdorf an der Küste
Vrsar liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Rovinj auf einem markanten Hügel, der über einen Archipel mit 18 unbewohnten Inseln blickt. Der Ort hat eine lange maritime Geschichte und unterhält eine aktive Fischereiflotte, die die Restaurants der Umgebung mit frischem Fisch versorgt.
Vrsar ähnelt im Aufbau Rovinj: Steinhäuser ziehen sich einen Hang hinab zum Hafen. Die Kommerzialisierung ist jedoch deutlich weniger ausgeprägt. Der Ort ist bekannt dafür, dass Giacomo Casanova im 18. Jahrhundert hier zeitweise lebte, worauf verschiedene historische Gedenktafeln und ein eigener Aussichtspunkt hinweisen. Die wichtigsten Aussichtspunkte hinter der Kirche St. Martin bieten freie Sicht auf die Adria und die umliegenden Inseln.
Die Unterkünfte in Vrsar werden größtenteils von der Hotelgruppe Maistra betrieben. Das Maistra Select Pineta Hotel auf einem Hügel gegenüber dem Ort bietet Zimmerpreise zwischen €70 und €160 pro Nacht, je nach Saison und Blick. Wer Resortausstattung sucht, findet im nördlich gelegenen Maistra Resort Funtana All-inclusive-Pakete, die im Durchschnitt €120 bis €200 pro Nacht kosten. Diese Resorts bieten direkten Strandzugang und Pools, ohne den Premiumpreis, der in Rovinj für Unterkünfte am Wasser verlangt wird.
Das Essen in Vrsar spielt sich vor allem am Hafen ab. Ein typisches Fischgericht mit gegrilltem Fisch, Mangold und Kartoffeln kostet in den Restaurants am Wasser meist zwischen €20 und €30 pro Person.
Novigrad: Das Paradies für Feinschmecker
Novigrad liegt 45 Kilometer nördlich von Rovinj. Die Küstenstadt lag ursprünglich auf einer Insel, bevor sie mit dem Festland verbunden wurde. Sie ist von gut erhaltenen mittelalterlichen Mauern umgeben. Während Rovinj als meistfotografierte Stadt Istriens gilt, bietet Novigrad zweifellos die besseren Fischrestaurants zu günstigeren Preisen und ist damit die klügere Wahl für Genussreisende.
Novigrad hat sich als ernstzunehmendes Ziel für Feinschmecker etabliert. In der Stadt gibt es mehrere Restaurants, die von internationalen Restaurantführern ausgezeichnet wurden. Das Restaurant Marina in der Nähe des Yachthafens serviert äußerst kreative Fischmenüs. Ein Menü mit sechs oder acht Gängen kostet hier zwischen €75 und €90 pro Person, Wein nicht inbegriffen. Ein weiteres Highlight ist Damir & Ornella, ein kleines Restaurant mit 22 Plätzen in einer Seitenstraße (Zidine 5). Es hat sich auf rohen Fisch und mediterrane Sashimi-Variationen spezialisiert. Reservierungen sind unbedingt nötig, und die Hauptgerichte richten sich nach dem Tagesfang der Fischer aus der Umgebung.
Bei den Unterkünften betreibt die Hotelkette Aminess mehrere große Häuser in Novigrad. Das Aminess Maestral Hotel liegt 10 Gehminuten vom historischen Zentrum entfernt und bietet ein Hallenbad mit Meerwasser, einen Spa-Bereich und Tennisplätze. Die Übernachtung kostet im Durchschnitt €140. Eine weitere Option ist das Rivalmare Beach Boutique Hotel, das direkten Meerblick und hochwertige Zimmerausstattung direkt an der Promenade bietet.
Svetvinčenat: Istrische Geschichte im Landesinneren
Wer die Küste gegen ländliche Ruhe eintauschen möchte, sollte 23 Kilometer von Rovinj ins Landesinnere nach Svetvinčenat fahren (von Einheimischen oft Savičenta genannt). Der kleine Ort ist um einen großen, rechteckigen Renaissanceplatz angelegt, der zu den am besten proportionierten historischen Plätzen Kroatiens zählt.
Der Mittelpunkt von Svetvinčenat ist das Schloss Morosini-Grimani, eine gut erhaltene Festung aus Stein, die den Ort prägt. Nach umfangreichen Renovierungen dient das Schloss heute als Kulturzentrum und interaktives Museum. Die Eintrittskarten kosten €12 für Erwachsene und €8 für Kinder. Im Eintritt enthalten sind der Zugang zu den Schlossmauern, eine multimediale Ausstellung zur Geschichte des Ortes und eine Sammlung historischer Waffen. Im Sommer findet hier außerdem ein mittelalterliches Fest mit inszenierten Ritterturnieren und Bogenschießen statt.
In Svetvinčenat gibt es keine großen Resorthotels. Die Unterkünfte bestehen fast ausschließlich aus privat vermieteten Villen und kleinen Gästehäusern. Vierzimmervillen mit eigenem Pool am Ortsrand kosten im Durchschnitt €200 bis €400 pro Nacht. Sie sind ideal für Gruppen oder Familien, die Privatsphäre wünschen und trotzdem innerhalb von 30 Autominuten die Küste erreichen möchten.
Das Essen in Svetvinčenat ist traditionell und rustikal. In den lokalen Konobas gibt es regionale Klassiker wie Fuži (handgerollte Nudeln) mit Rindergulasch, Wildspargel und Trüffeln. Ein deftiges Abendessen in einer lokalen Konoba kostet typischerweise zwischen €25 und €40 pro Person.
Fasana: Küstencharme und Zugang zu den Inseln
Fasana liegt 30 Kilometer südlich von Rovinj, direkt gegenüber den Brijuni-Inseln. Einst ein ruhiges Fischerdorf, ist Fasana gewachsen, weil es der wichtigste Abfahrtsort für die Fähre zum Brijuni-Nationalpark ist. Trotzdem hat der Ort eine niedrige, entspannte Atmosphäre, die sich stark von der dichten Vertikalbebauung in Rovinj unterscheidet.
Die Uferpromenade in Fasana ist eben, breit und von Cafés und Restaurants gesäumt. Der Ort eignet sich hervorragend für Familien mit kleinen Kindern oder für Reisende mit eingeschränkter Mobilität, da keine steilen Treppen zu bewältigen sind.
Der Hauptanziehungspunkt ist der Brijuni-Nationalpark. Der Standardausflug umfasst die Rückfahrt mit dem Boot ab Fasana, den Eintritt zur Insel Veliki Brijun, eine Führung und eine Fahrt mit dem Touristenzug durch den Safaripark. Das Kombiticket kostet je nach Monat zwischen €30 und €45 pro Erwachsenem. Wer ein persönlicheres Erlebnis möchte, kann ab dem Hafen von Fasana private Bootstouren buchen, die ab etwa €70 pro Person kosten.
02Die Kostenunterschiede im Überblick
Die finanziellen Vorteile, außerhalb von Rovinj zu übernachten, sind erheblich. Rovinj hat ein Preismodell im Premiumsegment, das durch starke internationale Nachfrage und begrenzten Raum bestimmt wird. Ein Standard-Doppelzimmer in einem Viersternehotel in Rovinj kostet im Juli ohne Weiteres €250 bis €350 pro Nacht. Das Aminess Maestral Hotel in Novigrad oder das Hotel La Grisa in Bale bieten dagegen ähnlichen Viersternekomfort für €130 bis €180 pro Nacht.
Auch die Essenskosten folgen einem ähnlichen Muster. Ein Fischessen für zwei Personen in Rovinj, bestehend aus einem geteilten Fisch, Beilagen und einer Flasche lokalem Malvazija-Wein, übersteigt regelmäßig €120. In Vrsar oder Fasana liegen vergleichbare Mahlzeiten in den Tavernen am Wasser eher bei €80. Auch die versteckten Reisekosten, etwa für Parken oder Liegestuhlmiete, sind in diesen Alternativorten spürbar niedriger. Das Parken in Svetvinčenat ist komplett kostenlos, während in Fasana etwa €1 pro Stunde fällig werden, verglichen mit €3 bis €4 pro Stunde auf den zentralen Parkplätzen in Rovinj.
03Vertiefung: Istrische Küche in den Alternativorten
Das Essen ist ein wichtiger Grund für den Tourismus in Istrien. Wer in Novigrad, Bale oder Svetvinčenat übernachtet, ist näher an den Quellen der landwirtschaftlichen Produktion Istriens.
Novigrad ist für seine Jakobsmuscheln bekannt, die lokal Kapešante heißen. Die Mischung aus frischem Flusswasser des nahen Flusses Mirna mit der salzigen Adria schafft ein besonderes Meeresmilieu, durch das nach Ansicht der lokalen Fischer die süßesten Jakobsmuscheln Europas entstehen. Am besten schmecken sie leicht gegrillt mit lokalem Olivenöl.
In den Inlandsorten Bale und Svetvinčenat verlagert sich der kulinarische Schwerpunkt vom Meer aufs Land. Traditionelle Mahlzeiten beginnen oft mit einer Platte istrischem Pršut (luftgetrocknetem Schinken) und Schafskäse. Als Hauptgericht gibt es fast immer Pasta. Fuži sind kleine, gerollte Nudelröhren, während Pljukanci spindelförmige, handgerollte Nudeln sind. Trüffel, schwarze wie weiße, werden in den lokalen Konobas großzügig über Pasta oder Eier gehobelt. Trüffelgerichte sind im zentralen Istrien deutlich günstiger als an der Küste, eine Portion Trüffelpasta kostet dort etwa €18 bis €25.
04Strände abseits von Rovinj
Die Strände von Rovinj sind überwiegend felsig und können gefährlich überfüllt sein. Besucher müssen früh kommen, um sich einen flachen Felsen oder eine gemietete Liege zu sichern. Die Alternativorte bieten entspanntere Stranderlebnisse.
In Vrsar erstreckt sich der Strand Valkanela über drei Kilometer. Er bietet eine Mischung aus Kieseln, felsigen Vorsprüngen und gepflasterten Liegeflächen, im Hintergrund stehen dichte Kiefernwälder, die natürlichen Schatten spenden. Der Strand verfügt über Duschen, Umkleidekabinen und Cafés.
Die Küste von Novigrad umfasst den Kieselstrand Aminess Sirena und den Strand Maestral. Beide tragen die Blaue Flagge für saubere Wasserqualität und Sicherheit. Der Einstieg ins Wasser ist hier allmählich, was den Ort besonders für Kinder geeignet macht.
Fasana bietet lange, ununterbrochene Kiesstrände, besonders den Strand Bi Val und die Strände, die sich Richtung Valbandon erstrecken. Diese Strände liegen den Brijuni-Inseln gegenüber und bieten eine schöne Kulisse zum Schwimmen. Da das Gelände eben ist, sind diese Strände von den nahen Parkplätzen aus körperlich problemlos zu erreichen.
05Historischer Hintergrund: Warum diese Orte wie Rovinj aussehen
Viele Reisende kommen wegen der ausgeprägten venezianischen Architektur nach Rovinj. Die gesamte istrische Halbinsel stand jedoch über 500 Jahre lang unter der Herrschaft der Republik Venedig, vom 13. bis zum späten 18. Jahrhundert. Diese gemeinsame Geschichte bedeutet, dass Bale, Vrsar, Novigrad und Svetvinčenat dieselben architektonischen Merkmale wie Rovinj aufweisen.
Besucher finden dieselben hohen, schmalen Steinhäuser, Fensterläden und Plätze, die von einer Kirche und einem freistehenden Glockenturm dominiert werden, der dem Campanile des Markusdoms in Venedig nachempfunden ist. Der geflügelte Markuslöwe, das Symbol der Republik Venedig, ist in die Steintore und Rathäuser all dieser Orte gemeißelt. Das Schloss Morosini-Grimani in Svetvinčenat selbst wurde von zwei mächtigen venezianischen Patrizierfamilien erbaut. Wer diese Alternativorte besucht, verzichtet also nicht auf historische Echtheit, sondern erlebt sie lediglich in ruhigerer Umgebung.
06Praktische Tipps für den Besuch
- Währung: Kroatien hat den Euro (€) im Januar 2023 offiziell eingeführt. Die bisherige Währung, die Kuna, wird nicht mehr akzeptiert. Halten Sie unbedingt etwas Bargeld bereit, denn kleinere Konobas, Bäckereien und Parkautomaten in ländlichen Orten akzeptieren eventuell keine Kreditkarten.
- Sprache: Istrien ist offiziell zweisprachig (Kroatisch und Italienisch). Die meisten Einheimischen im Tourismus und Gastgewerbe sprechen fließend Englisch, und Deutsch wird aufgrund der hohen Zahl an Touristen aus Österreich und Deutschland ebenfalls weitverbreitet verstanden.
- Verkehr: Istrien erkundet man am besten mit dem Auto. Das Y-förmige Autobahnnetz verbindet die Halbinsel effizient. Maut wird an Mautstellen erhoben und ist vergleichsweise günstig. Eine typische Maut von der Anschlussstelle Kanfanar nach Pula liegt unter €5. Ein Mietwagen bietet die nötige Flexibilität, um zwischen Unterkünften im Landesinneren und Restaurants an der Küste zu wechseln.



